Der Verband der Theaterautor:innen dient der Förderung des Theatertexts und seiner Autor:innen.

Ziel und Bestreben des Verbandes ist es, die beruflichen Interessen der Theaterautorinnen und Theaterautoren zu vertreten, als auch ein neues Bewusstsein für die Bedeutung von Theatertexten in der gesellschaftlichen Öffentlichkeit und innerhalb des Theaterbetriebs zu schaffen. Angesichts eines sich stets weiterentwickelnden Autor:innenbegriffs vertritt der Verband sämtliche klassischen und neueren Formen von Theatertexten. Er setzt sich für diese Vielfalt und insbesondere für die Sichtbarkeit der dramatischen Kunst ein. Der Verband hat seinen Sitz in Berlin.

 

OFFENER BRIEF »FAIRE BEZAHLUNG JETZT!«

(alle offenen Briefe finden sie hier)

Eine alte Partyregel lautet: „Wenn du über Kunst reden willst, rede mit Banker:innen. Künstler:innen reden nur über Geld.“ Das ist gemein und oft zutreffend – aus dem einfachen Grund, weil immer noch viele Menschen der Meinung sind, dass Kunst Ergebnis eines inneren Drangs ist, der den Produzent:innen einen solchen Spaß macht, dass die Bezahlung des Endprodukts ein erfreulicher, aber nebensächlicher Effekt ist. (Das ist natürlich übertrieben, aber nur ein bisschen.)

Natürlich schreiben Theaterautor:innen, weil genau das ihr Ausdrucksmittel ist, aber Geld wollen (und müssen) sie damit auch verdienen. Weil das Leben Geld kostet – dafür hat jede:r Verständnis. Aber reicht das Verständnis auch so weit, folgende Forderung mitzugehen? Als Untergrenze für Berufseinsteiger:innen sollten 9.000 Euro für einen Stückauftrag selbstverständlich werden. Damit würde eine Forderung verwirklicht, die das theaterautor:innen-netzwerk in einer aktuellen Richtgagen-Empfehlung nennt. Für Autor:innen jenseits der Berufseinstiegsphase sollte ein Stückauftragshonorar von 20.000 Euro aufwärts plus Tantiemen gelten. Wir reden hier von Profis, also von Menschen, die das Schreiben für das Theater als ihren Beruf begreifen, ihr Handwerk beherrschen, Erfahrungen gesammelt haben und davon profitieren und mit diesem Job älter werden, von WGs in eigene Wohnungen ziehen und Familien gründen, mit Care-Arbeit, notwendiger Altersvorsorge und, und, und...kurz gesagt: die eine Verstetigung ihres Lebensmodells anstreben für die Zeit, nachdem sie Nachwuchsstar der Theaterkritik oder der Hit in Mülheim oder Heidelberg waren.

Klingt nach viel Geld, ist es aber nicht. Pi mal Daumen sitzen Dramatiker:innen sieben Monate an einem Stück – mal mehr, mal weniger, aber das ist der durchschnittliche Zeitaufwand. Man schafft, wenn man sich ranhält, maximal zwei neue Stücke im Jahr und gilt damit (nach allgemeinem feuilletonistischen Verständnis) als Vielschreiber:in. Selbst solche seltenen Autor:innenexemplare kommen damit aber nur auf ein Brutto-Jahreseinkommen von 40.000 Euro - vor Steuern, allein zu tragenden Sozialversicherungen und den notwendigen Betriebsausgaben. Und jährlich zwei Stückaufträge zu ergattern - wie vielen Theaterautor:innen gelingt das? Nicht nur ein- oder zweimal im Leben, sondern regelmäßig ein Autor:innen-Leben hindurch? 20.000 Euro sind kein Zusatzverdienst zum Verjubeln, sie sind eine Basis, welche den Lebensunterhalt während des Schreibens finanzieren soll und muss.

Nun könnte ein Theater einwenden, dass die Tantiemen doch das sind, worauf es ankommt. Schreibt Stücke, die erfolgreich sind! Das ist etwa genauso hilfreich, wie Musiker:innen zu sagen, sie sollen einfach einen Hit schreiben. Sowas passiert natürlich, aber das lässt sich nicht kalkulieren. Man schreibt, was man schreiben will und muss und ist sich der ökonomischen Unsicherheit immer bewusst. Eine Unsicherheit die – da Theater eine Kunst mit vielen Beteiligten ist –, übrigens auch nicht allein von den Autor:innen und ihren Stücken abhängig ist.

Wenn man sich die Zahlen ansieht, die vom Kulturrat herausgegeben wurden (monatlicher Durchschnittsverdienst von Freiberufler:innen: 1.500 Euro brutto / Stand vor Corona) und die Ergebnisse einer Umfrage des VTheA (Auftragshonorare liegen im Schnitt bei Euro 6.000 - 6.900 Euro) dazu nimmt, ergibt das ein erschreckendes Bild. Dann ist Dramatiker:in ein Beruf für reiche Erb:innen, unausgelastete Lehrkräfte oder ein Job, den man neben dem „eigentlichen“ Beruf erledigt. Natürlich hat niemand einen Anspruch darauf, für die schrullige Idee, Künstler:in zu sein, von irgendjemandem alimentiert zu werden. Aber wenn selbst Autor:innen, die gespielt werden, nicht oder nur schlecht vom Schreiben leben können, ist der Wurm drin. Denn wir reden hier von Menschen, deren Texte die Theater haben wollen, denen aber durch die Erfolgsabhängigkeit (Tantiemen) auch das Risiko des Scheiterns aufgebürdet wird – im Gegensatz zu Regisseur:innen, deren Gage komplett erfolgsunabhängig ist.

Theaterleitungen haben nicht die Auflage, ihre Kunst allein aus den laufenden Einnahmen zu finanzieren. Vielmehr werden Theater zu etwa dreiviertel aus öffentlichen Mitteln grundfinanziert. Alle Beschäftigten an den Häusern werden entsprechend zu dreiviertel „grundfinanziert“. Das soll die Theaterkunst und vor allem auch das künstlerische Wagnis ermöglichen, ohne immer und ausschließlich auf das Einspielergebnis zu schauen. Wie sollen Theaterautor:innen solche Wagnisse ein- oder auch nur mitgehen, wenn ihre komplette Existenz von den Einspielergebnissen abhängt? Warum sollen ausgerechnet und nur die Autor:innen der vollen Wucht eines „Marktes“ ausgeliefert sein, der überhaupt kein Markt sein, sondern vor allem von künstlerischen Erwägungen bestimmt werden soll?

Wenn Autor:innenschaft für das Theater nicht nur eine Tätigkeit für wohlversorgte Erb:innen oder Ehepartner:innen, nicht nur Hobby, Liebhaberei oder Nebenberuf sein soll, müssen wir die Chance haben, von unserer Arbeit zu leben. Sonst können wir es uns schlicht nicht leisten, langfristig für das Theater zu arbeiten. Und es bleibt die Frage, ob das Theater es sich leisten will, in ihrer Profimannschaft die Autor:innen finanziell als ewige Amateur:innen zu behandeln.

Zuerst einmal muss man sich darauf einigen, dass man, wenn man professionelle Arbeit möchte, auch dafür sorgen muss, dass die Profis auch so viel verdienen, dass ein autarkes, erwachsenes Leben möglich ist – und dann könnte der Tag kommen, an dem man auf Partys mit Künstler:innen über Kunst sprechen kann. Andernfalls muss man sich irgendwann die Stücke ansehen, die kunstaffine Banker:innen in ihrer Freizeit geschrieben haben.

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